kreativität

für mich ist kreativität mehr eine haltung, als eine bestimmte form von künstlerischer produktivität. kreativität ist sicherlich die grundlage, auf der wir kunst schaffen können. sie ist aber auch die grundlage für jeden wirklichen wandlungsprozess:

damit etwas neues entstehen kann, das lebendig ist, tragfähig und berührend, brauchen wir eine haltung der offenheit und vorurteilsfreiheit. wir brauchen neugierde und auch vertrauen, denn diese offenheit fordert viel vertrauen. es ist eine haltung der zuwendung. eine bereitschaft zur begegnung. und die bereitschaft, dasss diese begegnung uns veändert. kreativität ist somit auch die grundlage für wirkliches lernen.

emergenz

das ist genau die haltung, mit der wir in der therapie in den inneren kontakt gehen. diese haltung ermöglicht emergenz. emergenz ist etwas, das wir uns auch für jeden künstlerischen prozess wünschen. emergenz bedeutet, dass etwas aus dem zusammenwirken von verschiedenen einzelteilen entsteht. das, was entsteht, geht über die summierten fähigkeiten der einzelteile hinaus. es entsteht etwas, was in dieser form kein einzelner teil hätte erschaffen oder wissen können.

den raum für emergente prozesse zu schaffen, ist ein wesentlicher teil der therapeutischen arbeit, die ich anbiete und zu der ich einlade.

die sprache der sprachlosen

künstlerischer ausdruck kann eine wichtige ressource sein, grade für menschen, die traumatischen stress erlitten haben. da wir unter traumatischem stress nicht wie gewohnt verarbeiten können, bleiben die erlebnisse ganz oder teilweise unverarbeitet auf der körperlichen und empfindungsebene gespeichert, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. dieses implizite wissen oder implizite gedächtnis - dinge, die in unseren emotionalen mustern und körpermustern gespeichert sind - prägt uns nachhaltig, vor allem, wenn wir schon früh belastungen ausgesetzt waren.

da diese erlebnisse unverarbeitet sind, können wir sie kognitiv nicht richtig fassen. trauma macht sprachlos, im wahrsten sinne des wortes.

ein teil der aufarbeitung besteht darin, dass solche unverarbeiteten dinge erlebbar werden, dass wir sie benennen können. dass sie eine form kriegen, symbolisiert werden können. wenn nicht mit worten, dann vielleicht in einer sprache ohne worte. in der sprache der kunst.

hier sind techniken aus dem bereich der bildenden oder darstellenden kunst oder auch des kreativen schreibens wertvoll, weil sich implizite oder unbewusste erlebnisinhalte spontan ausdrücken können. im schreiben, im malen, im tanzen, im singen, im musizieren, im plastizieren, im bauen... so finden weitere, neue verknüpfungen im inneren statt. die dinge werden neu erlebbar, wenn sie symbolisiert sind und nicht mehr nur als diffuses selbstgefühl wirken. dieser prozess wird auch externalisierung genannt.

das überwältigende erlebnis von traumatischen ereignissen hinterlässt typischer weise das gefühl, dass mit uns selber etwas nicht stimmt. wir können es nicht als etwas von außen wahrnehmen, solange es nur implizit gespeichert ist. es ist wie ein teil von uns geworden. durch die externalisierung kann sich die identifizierung lösen und ein neues narrativ kann entstehen.

statt: mit mir selber stimmt etwas nicht (ich fühle oder verhalte mich immer so komisch) können wir sagen: mit mir ist etwas passiert, das nicht gut war.

posttraumatisches wachstum

posttraumatisches wachstum ist die entwicklung von besonderen stärken, die wir brauchen, um ein psychotrauma zu verarbeiten. diese stärken können langfristig zu wichtigen kompetenzen werden, die uns befähigen, etwas besonderes zu erschaffen.

kreativität bedeutet, dass wir teilhaben an einem schaffensprozess. wir ermöglichen, dass etwas neues entsteht und erleben dadurch neue handlungsperspektiven. somit ist kreatives handeln eine form der selbstermächtigung, die uns dazu befähigt, veränderungen zu vollziehen. für mich ist kreativität ein fundamentaler bestandteil von posttraumatischem wachstum.

es ist wunderschön, solche prozesse zu erleben: die transformation einer person, die durch schreckliche erlebnisse niedergedrückt wurde, zu einer person, die sich aufrichten kann und in der lage ist, mit diesen erlebnissen auf ihre eigene weise umzugehen.

kreativität schafft verbundenheit

verbundenheit ist heilsam

dafür braucht es eine wesentliche komponente, und das ist unterstützung. unterstützung können wir durch ganz unterschiedliche begegnungen erleben. das kann das gegenüber in der therapie sein; das kann der neu gelernte, vertiefte innere kontakt sein; das kann der kontakt zur erde und anderen naturwesen, wie zum beispiel den bäumen, sein; und sicherlich noch vieles mehr. wesentlich dabei ist, dass wir ein erlebnis der verbundenheit haben; uns gesehen, gehört, verstanden und vielleicht sogar zugehörig fühlen.

aus meiner sicht hat kreativität immer auch diese komponente der begegnung. begegnung nach innen, mit unterschiedlichen aspekten des selbst, oder in den kontakt nach außen. wie ich oben beschrieben habe, erlebe ich kreatives handeln als eine bereitschaft, sich berühren und verändern zu lassen, in einen austausch zu gehen.

kreativität ist das ermöglichen von emergenten prozessen. sie bildet eine neue verbundenheit. emergenz entsteht durch diese neuen verknüpfungen.

für diese transformation - das posttraumatische wachstum: aus der überwältigung heraus zu wachsen, hinein in eine haltung, mit der die situation zu bewältigen ist - braucht es oft viele verschiedene schritte und erlebnisse im leben, die uns immer mehr befähigen, die uns ein gefühl der verbundenheit schenken. das können viele kleine oder auch große begegnungen sein.

posttraumatisches wachstum mitzuerleben ist jedes mal wieder wie ein wunder. und es macht mut.

auch in der kunst werden genau solche transformativen prozesse erlebbar.

und sie berühren uns deshalb oft so tief, weil wir das alle kennen und weil wir auch immer irgendwie danach streben, weiter dieses wachstum zu vollziehen. und auch hier fühlen wir uns verbunden, wenn wir mit dem erleben der kunstschaffenden person mitfühlen können.

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